Luigi Reitani: Ein Nachruf von Petra Hardt

Ich bin tief erschüttert. Da geht der gute, hochintelligente und unermüdliche Reitani trotz Impfung an den Folgen der Erkrankung an diesem unberechenbaren Virus. Das ist sehr traurig.

Die Beziehungen zwischen Italien und Österreich, zwischen Italien und Deutschland wären ohne Professor Reitanis Wirken ärmer. Der Suhrkamp Verlag hat gerade in den Jahren, als Luigi Reitani Leiter des Istituto Italiano in Berlin war, eng mit ihm zusammengearbeitet.

Er hat uns mit Ferrante und anderen italienischen Autoren und Autorinnen unterstützt und natürlich als Germanist unsere deutschsprachigen Autoren gelesen und übersetzt. Er konnte Wissenschaft, Institution und Handel. Sein Engagement für Thomas Bernhard haben Sie, lieber Herr Dr. Fabjan, in Ihrem sehr schönen Nachruf bereits gewürdigt.

Wir trauern um Luigi und gedenken seiner in Dankbarkeit.
Seiner Frau und den beiden Töchtern gilt unser tiefstes Mitgefühl.

Petra Hardt

Prof. Luigi Reitani

Ein Nachruf

Der anerkannte Germanist, Übersetzer von Hölderlin, Bernhard u. a., Kulturbeauftragter in Udine, zwischen 2015 und 2019 Leiter des italienischen Kulturinstitutes in Berlin, Mitglied der Vereinigung Freies deutsches Hochstift in Frankfurt, Träger des Mondellopreises für Übersetzung, Familienvater zweier (aus Indien) adoptierter Töchter, ist Opfer der aktuellen Jahrhundertseuche geworden.Mein erster Kontakt mit ihm in Wien hat noch der Idee, der Internationalen Thomas Bernhard Gesellschaft in jeder europäischen Großstadt eine eigene Vertretung zu schaffen, gegolten, er ihr darauf dort in Udine mit der Gründung einer eigenen Institution entsprochen.Sein Tod reiht sich in die lange Liste uns, der Stiftung und der Internationalen Thomas Bernhard Gesellschaft, als führende Mitglieder inzwischen verlorengegangener Personen. Ein großer Verlust!Seiner Witwe und den beiden Töchtern gilt unsere Anteilnahme.Peter Fabjan

Zum Tode von Franz Josef Altenburg

Franz Josef Altenburg, Spross der Familie Habsburg und Urenkel Kaiser Franz Josef I ist am 18. dieses Monats verstorben. Zu seiner Familie, ansässig in der Ortschaft Breitenschützing nahe Schwanenstadt/OÖ, hatte Bernhard besonderen Kontakt. Mit großer Regelmäßigkeit ist er hingekommen und bewirtet worden. Das Wachsen der Familie hat er mit viel Anteilnahme verfolgt, die Kinder besonders geliebt, die keramischen Arbeiten Franz Josefs respektvoll betrachtet.
Mit ihm verlieren wir einen eigenständigen Künstler.

Anny und Peter Fabjan

ITBG-Vorstandsmitglied Dr. Juliane Werner erhält UNIVIE Teaching Award 2020

Die feierliche Preisverleihung des UNIVIE Teaching Award fand am 14. Juli 2021 an der Universität Wien mit Rektor Heinz W. Engl und Vizerektorin Christa Schnabl statt.
Mit dem Preisgeld in Höhe von 3000 Euro wird Juliane Werner an der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Wien im Sommersemester 2022 ein Studierendenprojekt zu Thomas Bernhard starten, im Zuge dessen es auch eine Kooperation mit der ITBG geben wird.

Zum Tode von Dr. José António Palma Caetano

Herr Palma Caetano, Portugiese und Bernhardübersetzer, Träger des Österreichischen Staatspreises für Übersetzung sowie langjähriges Mitglied der ITBG  ist verstorben. Er, selber Lyriker, hat neben Bernhard, Peter Handke, Doderer und Hoffmannsthal in sein Land gebracht und ist uns über die Jahre mit seiner noch vor ihm verstorbenen Frau ein besonders liebenswertes kultiviertes Ehepaar als Freunde gewesen. Beide waren uns in Lissabon aus Anlass eines von ihm organisierten Symposiums zu Ehren von Bernhard geduldige Gastgeber.

Anny und Peter Fabjan

In Erinnerung an Horst Matrong, 17. Mai 1941 – 21. Dezember 2017

Uns ist er, Matrong, als der Fellinger stets zur Seite gestandene Mann in Erinnerung, wenn es um die Unterstützung von Projekten gegangen ist, die ihm wichtig waren. So auch bei der Gründung des Korrekturverlages. Mehrmals haben wir ihn auch in Nathal begrüssen können.
Ein kulturinteressierter Mäzen ohne jede Selbstgefälligkeit!!

Anny und Peter Fabjan

 

 

 

Horst Matrong war ein Mensch, der anderen die Bühne bereitete.  Als Mäzen hat er Schauspieler und Schauspielerinnen unterstützt, mit seiner Theaterstiftung Kleinkunstbühnen im Ruhrgebiet und Weimar gefördert und neue Produktionen im In-und Ausland, bevorzugt zu Thomas Bernhards Stücken, möglich gemacht. Er selbst blieb dabei bescheiden im Hintergrund, wenngleich er mit seinem Haarzopf und seiner Kappe, die er in der Öffentlichkeit nie ablegte, signifikant war.

Zu Premieren verschenkte er großzügig Karten,  und wenn sie in Berlin stattfanden, lud er nach der Aufführung den ganzen Freundeskreis in sein Stammlokal „Manzini“ ein, wo er nie etwas bestellen musste –  der Wirt und sein Team wussten, was sie Horst Matrong bringen dürften.

Horst Matrong war ein treues und aktives Mitglied der Internationalen Thomas Bernhard Gesellschaft und Gesellschafter beim Korrektur Verlag. Er schätzte die Gespräche mit Dr. Fabjan. Eine enge Verbindung pflegte er zu den Theaterhäusern in Zürich und Wien, ein Fan von Robert Hunger-Bühler, Claus Peymann und Hermann Beil. Ein Spätberufener, der zunächst aus Respekt den Weg, der ihm von seinen Großeltern und Eltern im Holzhandel und Möbelgeschäft in dritter Generation vorgezeichnet war, beschritten hatte. Umso beherzter konnte er sich ab dem 50. Lebensjahr nach abgeschlossenem Studium der Theaterwissenschaft ganz der Kultur und seinem Lieblingsautor Thomas Bernhard widmen. Alle, die Horst Matrong, ein Independant, ein gütiger Vater, ein wertvoller Freund, persönlich kannten, werden sich an seinem 80. Geburtstag gerne und dankbar an ihn erinnern.

 Petra Hardt

 

AN RAIMUND FELLINGER DENKEN

I

(c) Stephanie Tyszak

 

Stephanie Tyszaks schöne Idee, an seinem ersten Todestag gemeinsam mit ihr zum Grab unseres früheren Präsidenten zu gehen, muss vorerst leider eine schöne Idee bleiben. Die aktuelle Corona-Lage lässt einen solchen Besuch mit mehreren Personen (noch) nicht zu.

Was hätte RF zu dieser Situation gesagt, in dieser Situation gemacht? Vielleicht hätte er eine Zoom-Konferenz angestoßen, in der wir mit Blick auf die gegenwärtige Pandemie über zwei authentische Bernhard-Sätze diskutieren: „Die Natur wird die Menschheit verdauen!“ und: „Es gibt keine Natur mehr!“ (mit herzlichem Dank an unseren Ehrenpräsidenten Dr. Peter Fabjan für deren Mitteilung und Erläuterung per E-Mail, 16. und 31. März 2020).

 

II

An Raimund Fellinger denken bedeutet für mich zunächst auch: mit Nina Selzer seine sämtlichen Äußerungen – gedruckte und ungedruckte – über Thomas Bernhard zu sammeln, um sie in einem Buch verfügbar zu machen.

Aber wann hat das eigentlich alles angefangen? In seiner privaten Bibliothek steht eine Erstausgabe des „Kalkwerk“ (Viertes bis sechstes Tausend 1970) mit – für den späteren RF ganz untypischen – zahlreichen Bleistiftunterstreichungen und Randnotizen. War im Jahr seines Abiturs am Aufbaugymnasium Saarlouis dieser Roman seine früheste Bernhard-Lektüre? Nicht nur darüber wüssten wir gerne mehr.

 

III

Die Existenz eines Widmungsexemplars der „Auslöschung“ ist zwar bereits seit dem inzwischen fast schon legendären Interview mit dem Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ 2016 bekannt, nicht aber ihr genauer Wortlaut:

„Für Raimund Fellinger, meinen geliebten Fehler-Entdecker, von Thomas Bernhard / 26. März 87“ / (c) Stephanie Tyszak

Der 26. März 1987 war ein denkwürdiger Tag im Leben von Thomas Bernhard wie in der persönlichen Beziehung zwischen dem Autor und seinem Lektor. Auf der Durchreise von Lissabon nach Wien machten an jenem Donnerstag akute physische Beschwerden Bernhards einen Zwischenstopp in Frankfurt nötig. „Er kam am Nachmittag […] an und hatte immer nur einen Ausdruck: Ich bin glücklich, ich bin der Hölle entronnen. Vier Stunden ‚behandelten‘ Burgel Zeeh [Unselds Sekretärin], Raimund Fellinger und ich den Mann, der ja wirklich schwer krank war. Er war einerseits reizend, aber enorm geschwächt und sah wirklich nicht gesund aus. Ich brachte ihn noch an das Flugzeug. In Salzburg nahm sein Bruder ihn in Empfang und brachte ihn in eine Klinik, wo er einige Tage zubringen musste.“ (Siegfried Unseld: „Chronik 1987“, zit. nach: Thomas Bernhard/Siegfried Unseld: Der Briefwechsel. Herausgegeben von Raimund Fellinger, Martin Huber und Julia Ketterer. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 2011, S. 774). Bernhards Widmung lässt die „sehr starke Gefühlsbewegung“ erkennen, „die ich in Frankfurt gehabt habe unter den Fürsorgeschwingen des Verlegers und seiner Getreuen“ (Bernhard an Unseld, 18. Mai 1987; a.a.O., S. 773).

 

IV

Wie können wir alle in (und durchaus auch außerhalb) der ITBG zusammen an der Fortsetzung von Projekten arbeiten, die der große, großartige Anreger und Ideengeber RF begonnen hat? Das gilt vor allem für die von ihm geplante „Thomas Bernhard Enzyklopädie“ zu Leben, Werk, Wirkung und Deutung. Wie wäre ein solches kollektives Nachschlage- und Grundlagenwerk zu realisieren, auf das sich künftige Biographien ebenso wie Ausstellungen zu Bernhards 100. Geburtstag stützen werden?

Fragen über Fragen. Bernhards „Fehler-Entdecker“ fehlt an allen Ecken und Enden.

                                                                                                                                                                                                                                                                                      Reinhard Pabst

(c) Sepp Dreissinger

 

 

Das Jahr ohne ihn, Dr. h. c. Raimund Fellinger, Präsident der Internationalen Thomas Bernhard Gesellschaft, verstorben am 25. April 2020

Wie gerne denken wir an gemeinsames Erleben von Schlösservisiten in Goldegg wie Wolfsegg, Diskussionsrunden und Abende in Nathal wie 2006 der mit Pierre Chabert zum 100. Geburtstag von Beckett mit la dernière bande, an der noch Prof. Schmidt-Dengler teilgenommen hat, die Lesung aus Heldenplatz durch Herrn Wuttke oder die von Holzmann, dem Mann mit der großen Stimme.

Sein jahrelanges Arbeiten mit dem Archivleiter in Gmunden, Herrn Dr. Huber für die Werkausgabe, sein Wirken im Verlag und sein Teilnehmen an Verhandlungen in Wien mit Minister Ostermeier und in Marbach mit Prof. Raulff zur Zukunft der beiden literarischen Nachlässe bleiben sein Verdienst.

Die dramatischen Ereignisse seines Abschiednehmens, seine Teilnahme an der Vorstandssitzung in Darmstadt, als er uns, bereits sprechunfähig geworden, ein Blatt Papier mit seinen Abschiedsworten übergibt, sein Präsentsein bei der Generalversammlung, sein letzter Besuch im Salzburger Büro, ein mit Frau Stephanie gemeinsamer Mittag dort in St. Peter, sein Ignorieren der körperlichen Katastrophe hin bis zur Stockholmvisite für Peter Handke, für den er noch ein neues Buch lektoriert, sein Wahrnehmen der Rolle des Präsidenten bis zuletzt – alles das bleibt mit dem Bild, dem Erleben eines Menschen verbunden, der ohne Seinesgleichen war.

Mit ihm ist für Viele ein gemeinsamer Lebensabschnitt zu Ende gegangen. Es bleibt schwierig in seine großen Fußstapfen zu treten, uns nur einmal mehr Dank zu sagen!

 Anny und Peter Fabjan

 

 

(c) Sepp Dreissinger

Zum 90. Geburtstag: Das Burgtheater-Ensemble feiert Thomas Bernhard

Thomas Bernhard: Zum 90. Geburtstag

DIE JAGDGESELLSCHAFT, SELBSTAUSKUNFT und IN ÖSTERREICH HAT
SICH NICHTS GEÄNDERT. TIRADEN sind die drei Themenblöcke, die ab dem 9.
Februar auf der Website des Burgtheaters zu finden sind. Ebenfalls ab dem 9.
Februar gehen hier täglich die genannten Lesungen des Ensembles online. Es
finden sich dort ebenso Videos aus der Reihe #MyHomeIsMyBurgtheater
(Bernhard-Texte gelesen von Martin Schwab und Paul Wolff-Plottegg) sowie Fotos
aus der noch auf die Premiere wartenden Inszenierung DIE
JAGDGESELLSCHAFT sowie ein Portrait über Martin Schwab.

Das Programm im Überblick:

Am 9. Februar
„Der Wald ist groß, die Finsternis auch.“ Interview von André Müller (1979)
Mit: Norman Hacker & Dietmar König
sowie
Thomas Bernhard, „Junge Köpfe“ (1959)
Mit: Alexandra Henkel

Am 10. Februar
Thomas Bernhard, „In Österreich hat sich nichts geändert“ (1969)
Mit: Markus Hering

Am 11. Februar
Thomas Bernhard, „Mein glückliches Österreich“ (1988)
Mit: Markus Meyer

Am 12. Februar
Thomas Bernhard, „Meine Existenz als Schriftsteller in Österreich“ (1980)
Mit: Daniel Jesch

Am 13. Februar
Thomas Bernhard, „Auslöschung“ (1986)
Mit: Martin Schwab

Am 14. Februar
Thomas Bernhard, „Die Kleinbürger auf der Heuchelleiter“ (1978)
Mit: Katharina Pichler

Am 15. Februar
Thomas Bernhard, „Midland in Stilfs“ (1971)
Mit: Maria Happel

Am 16. Februar
Livemitschnitt der Festvorstellung zum 70. Geburtstag von Ignaz Kirchner (17.
Oktober 2016): Ignaz Kirchner liest aus „Minetti“, „Die Macht der Gewohnheit“,
„Der Theatermacher“ und „Der Stimmenimitator“.

 

Alle Rechte bei und vorbehalten durch Suhrkamp Verlag Berlin.

#ThomasBernhardMoment, Salzkammergut Festwochen Gmunden

Zu Thomas Bernhards 90. Geburtstag am 9. Februar wollen die Salzkammergut Festwochen Gmunden – entfacht durch ihren engen Bezug zu Ohlsdorf und Thomas Bernhard,  diesem Ehrentag gerne  besondere Aufmerksamkeit schenken und bitten Wegbegleiter und Darsteller der Festwochen Gmunden, aus ihrem (Lieblings)werk zu lesen. Die ersten Videos mit Minilesungen z.B. von Michael Maertens sind schon eingetroffen und werden täglich erweitert.

Darüber hinaus soll das Publikum angeregt werden, auch seinen Thomas Bernhard Moment zu teilen und so in Dialog zu treten.

 

Hier können Sie Minilesungen zu Thomas Bernhard teilen oder aufrufen:

 

Salzkammergut Festwochen Gmunden, Thomas Bernhard Schwerpunkt