Lajos Adamik gewinnt den Österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzung.

Lajos Adamik, Übersetzer und langjähriges Mitglied der ITBG, hat den diesjährigen Österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzung zuerkannt bekommen. Adamik übersetzte u.a. Werke von Thomas Bernhard, Stefan Zweig, Peter Handke und Ingeborg Bachmann ins Ungarische.
Zu diesem Anlass möchten wir einen Auszug aus seinem Artikel Der unbeirrbare Drang, vom längsten Satz bis zum kürzesten möglichst kunstvoll zu scheitern. wiedergeben, welcher in Ein übersetztes Buch ist wie eine Leiche. Übersetzter antworten Thomas Bernhard. erschienen ist:

Unweigerlich jedoch geht eine wichtige Schicht der Bernhardschen Prosa im Ungarischen verloren, da in diesem die indirekte Rede grammatikalisch nicht markiert wird. Nirgendwo ein „sei“, nirgendwo ein „habe“; und auch wenn die indirekte Rede kein allein bei Bernhard anzutreffendes Stilmittel ist, spielt sie beim Aufbau der erzählerischen Situationen als geeignete Form zum Ausdruck feiner, oft ironischer Distanzierungen immer wieder eine wichtige Rolle. Im Ungarischen hingegen, da hier die indirekte Rede stets im schlichten Indikativ steht und da in ihm in einfachen Aussagesätzen in der dritten Person Singular selbst der konjugierte Teil „ist“ fehlt („Mein Vater ist Arzt“ – apám orvos), muss der Übersetzer von Fall zu Fall entscheiden, ob die erzählerische Situation eindeutig genug aus dem Kontext hervorgeht oder ob er den Hinweis auf den Sprecher durch das Hinzufügen einer Wendung wie „er sagte“ noch einmal präzisiert. Während des Übersetzens von Verstörung hat mich dieses Manko des Ungarischen so stark gestört, ich habe es als einen so schweren Verlust gegenüber dem Original empfunden, dass ich mir eine Weile ernsthaft überlegte, ob man die entsprechenden Stellen nicht wenigstens typographisch, mit einer zweiten Schriftfarbe, kennzeichnen könnte. Ich bin dann mit dieser Idee nicht einmal bis zum ungarischen Lektor vorgedrungen, geschweige denn, dass ich Suhrkamp mit solchen Wahnsinnseinfällen heimsuchte.

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Wir freuen uns über Ihren Beitrag!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.