Ein Fest für Boris (1970)

Ein Fest für Boris erinnerte manche Kritiker nicht ganz zu Unrecht an literarische Mittel des absurden Theaters. Es ist das Geburtstagsfest eines beinlosen Krüppels, der vor Jahren von einer ebenfalls beinlosen Frau, der „Guten“, wie sie im Stück heißt, aus einem Krüppelasyl heraus geheiratet worden ist. Dreizehn weitere Beinlose, die noch immer im Asyl wohnen müssen, sind seine Gäste.

Damit gibt der Autor schon hier ein Grundmuster seiner gesamten dramatischen Produktion vor: Häufig bildet darin ein Fest den strukturellen Rahmen oder den Abschluss des Geschehens auf der Bühne. Die Konstellation des Stücks erinnert jedoch auch an das Muster des Salzburger Spiels vom Jedermann, das der Schauspiel- und Regiestudent Bernhard alljährlich in Hofmannsthals Version auf dem Salzburger Domplatz beobachten konnte.

Allerdings verweist das körperliche Erscheinungsbild der Figuren auf eine weitgehend deformierte Existenz, die auch jeglicher Hoffnung auf irgendeine Erlösung beraubt erscheint, denn unbemerkt von den anderen stirbt Bernhards Protagonist am Ende der grotesken Feier. Und die Lebensform der Verkrüppelten, die alle in viel zu kurzen „Einheitskisten“ schlafen müssen, spiegelt eine soziale Ordnung, die dem Einzelnen lediglich normierte Plätze zuweist, ohne auf seine Bedürfnisse auf adäquate Weise einzugehen.

M.M.